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Montag, 27. April 2026
14:00 - 15:30
Ringvorlesung Wissenschaft in der Gesellschaft: Forschungsethik der Künstlichen Intelligenz: Zwischen Objekt und Werkzeug
Vortrag
Geb. 30.41 / Chemie-Hörsaal Nr. 2 / Criegée-Hörsaal
KIT Campus Süd, Fritz-Haber-Weg 2-6 …
KIT Campus Süd, Fritz-Haber-Weg 2-6 …
PD Dr. Alexander Bagattini, KIT, Academy for Responsible Research, Teaching, and Innovation (ARRTI)
Die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI) stellt die Forschung vor tiefgreifende ethische Herausforderungen – sowohl dort, wo KI selbst Gegenstand der Forschung ist, als auch dort, wo sie als Werkzeug in wissenschaftlichen Prozessen eingesetzt wird. Der Vortrag beleuchtet diese beiden Dimensionen der Forschungsethik im Kontext von KI.
Im ersten Teil wird diskutiert, welche ethischen Fragen die Erforschung und Entwicklung von KI aufwirft. Dazu zählen etwa die Verantwortung für mögliche Fehlfunktionen, gesellschaftliche Auswirkungen von Automatisierung, Verzerrungen durch Trainingsdaten sowie der Umgang mit Autonomie und Kontrolle bei lernenden Systemen. Welche Normen und Prinzipien sollten die Forschung an Systemen prägen, deren Verhalten sich nur begrenzt vorhersagen lässt? Im zweiten Teil wird erörtert, wie sich die Rolle der Forschung verändert, wenn KI-gestützte Werkzeuge. etwa für Datenanalyse, Texterstellung oder Hypothesengenerierung, selbst Teil des wissenschaftlichen Prozesses werden. Hier stellen sich Fragen nach Transparenz, Reproduzierbarkeit, Autor*innenschaft, Bias und epistemischer Integrität. Kann eine Forschung, die sich KI als Assistenz bedient, noch als menschlich kontrolliert gelten – und wo verlaufen dabei die ethischen Grenzen?
Im Vortrag soll diese Doppelfunktion von KI als Forschungsgegenstand und -instrument kritisch diskutiert und anhand einschlägiger Fallbeispiele verdeutlicht werden.
In welcher Beziehung stehen Wissenschaft und Gesellschaft? Wie nehmen gesellschaftliche Entwicklungen Einfluss auf die wissenschaftliche Forschung und wie wird wissenschaftliche Erkenntnis gesellschaftlich rezipiert und angewandt? Die Vorlesungsreihe mit unterschiedlichen KIT-internen und -externen Referierenden bietet einen Überblick über die Thematik, der sich in folgende Schwerpunkte gliedert: I. Das Wissenschaftssystem, II. Wissenschaft und Öffentlichkeit, III. Wissenschaft und Politik, IV. Wissenschaft und Wirtschaft, V. Wertediskurse.
Gasthörende und Gäste zu Einzelterminen melden sich bitte per E-Mail an unter ringvorlesung@forum.kit.edu.
Foto: tirlik / stock.adobe.com
Im ersten Teil wird diskutiert, welche ethischen Fragen die Erforschung und Entwicklung von KI aufwirft. Dazu zählen etwa die Verantwortung für mögliche Fehlfunktionen, gesellschaftliche Auswirkungen von Automatisierung, Verzerrungen durch Trainingsdaten sowie der Umgang mit Autonomie und Kontrolle bei lernenden Systemen. Welche Normen und Prinzipien sollten die Forschung an Systemen prägen, deren Verhalten sich nur begrenzt vorhersagen lässt? Im zweiten Teil wird erörtert, wie sich die Rolle der Forschung verändert, wenn KI-gestützte Werkzeuge. etwa für Datenanalyse, Texterstellung oder Hypothesengenerierung, selbst Teil des wissenschaftlichen Prozesses werden. Hier stellen sich Fragen nach Transparenz, Reproduzierbarkeit, Autor*innenschaft, Bias und epistemischer Integrität. Kann eine Forschung, die sich KI als Assistenz bedient, noch als menschlich kontrolliert gelten – und wo verlaufen dabei die ethischen Grenzen?
Im Vortrag soll diese Doppelfunktion von KI als Forschungsgegenstand und -instrument kritisch diskutiert und anhand einschlägiger Fallbeispiele verdeutlicht werden.
In welcher Beziehung stehen Wissenschaft und Gesellschaft? Wie nehmen gesellschaftliche Entwicklungen Einfluss auf die wissenschaftliche Forschung und wie wird wissenschaftliche Erkenntnis gesellschaftlich rezipiert und angewandt? Die Vorlesungsreihe mit unterschiedlichen KIT-internen und -externen Referierenden bietet einen Überblick über die Thematik, der sich in folgende Schwerpunkte gliedert: I. Das Wissenschaftssystem, II. Wissenschaft und Öffentlichkeit, III. Wissenschaft und Politik, IV. Wissenschaft und Wirtschaft, V. Wertediskurse.
Gasthörende und Gäste zu Einzelterminen melden sich bitte per E-Mail an unter ringvorlesung@forum.kit.edu.
Foto: tirlik / stock.adobe.com
Donnerstag, 07. Mai 2026
18:00 - 19:30
Colloquium Fundamentale: Moral und Moralismus in öffentlichen Debatten: ein moralphilosophischer Blick
Vortrag
Atrium im InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
Prof. Dr. Christian Seidel, Department für Philosophie, Karlsruher Institut für Technologie
An gegenwärtigen öffentlichen Auseinandersetzungen wird immer wieder bemängelt, sie seien moralisiert. Kritisiert wird dabei, dass Diskussionen häufig weniger von der Suche nach differenzierten Argumenten geprägt seien als von dem Wunsch, sich moralisch korrekt zu positionieren. In Verruf sind Moralisierungen auch deshalb, weil sie als Mittel eingesetzt werden können, um andere Standpunkte zu diskreditieren und den offenen Austausch von Argumenten zu erschweren.
Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abschaffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar.
Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.
Abstract
Einer verbreiteten Zeitdiagnose zufolge seien gesellschaftliche Diskussionen -- z.B. darüber, was man isst ("bio-vegan"), reist ("flugschamlos"), spricht ("genderneutral"), sich kleidet ("fair"), die Wohnung heizt ("Wärmepumpe") oder Geld investiert ("ethisch") -- in zunehmendem Maße moralisch aufgeladen, über Gebühr moralinsauer, eben durchweg moralistisch; und das sei schlecht, verfehlt, ein Missstand. Doch stimmt das? Um das herauszufinden, muss man zwei Fragen stellen, die in die Moralphilosophie fallen: (1) Was genau ist Moralismus überhaupt und (2) was ist eigentlich falsch (und richtig) daran? In diesem Vortrag möchte ich anhand dieser Fragen die Rolle der Moral und das Phänomen des Moralismus in öffentlichen Auseinandersetzungen aus der Perspektive der Moralphilosophie beleuchten. Damit lassen sich dann einige Vereinfachungen und Missverständnisse identifizieren, die der verbreiteten Zeitdiagnose manchmal zugrunde liegen.
Foto: © FORUM
Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abschaffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar.
Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.
Abstract
Einer verbreiteten Zeitdiagnose zufolge seien gesellschaftliche Diskussionen -- z.B. darüber, was man isst ("bio-vegan"), reist ("flugschamlos"), spricht ("genderneutral"), sich kleidet ("fair"), die Wohnung heizt ("Wärmepumpe") oder Geld investiert ("ethisch") -- in zunehmendem Maße moralisch aufgeladen, über Gebühr moralinsauer, eben durchweg moralistisch; und das sei schlecht, verfehlt, ein Missstand. Doch stimmt das? Um das herauszufinden, muss man zwei Fragen stellen, die in die Moralphilosophie fallen: (1) Was genau ist Moralismus überhaupt und (2) was ist eigentlich falsch (und richtig) daran? In diesem Vortrag möchte ich anhand dieser Fragen die Rolle der Moral und das Phänomen des Moralismus in öffentlichen Auseinandersetzungen aus der Perspektive der Moralphilosophie beleuchten. Damit lassen sich dann einige Vereinfachungen und Missverständnisse identifizieren, die der verbreiteten Zeitdiagnose manchmal zugrunde liegen.
Foto: © FORUM
Donnerstag, 11. Juni 2026
18:00 - 19:30
Colloquium Fundamentale: Das Paradox moralischer Wissenschaftsfreiheit: Von epistemischer Fürsorge zur Umcodierung wissenschaftlicher Standards
Vortrag
Atrium im InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
Prof. Dr. Sabine Döring, Philosophisches Seminar, Universität Tübingen
An gegenwärtigen öffentlichen Auseinandersetzungen wird immer wieder bemängelt, sie seien moralisiert. Kritisiert wird dabei, dass Diskussionen häufig weniger von der Suche nach differenzierten Argumenten geprägt seien als von dem Wunsch, sich moralisch korrekt zu positionieren. In Verruf sind Moralisierungen auch deshalb, weil sie als Mittel eingesetzt werden können, um andere Standpunkte zu diskreditieren und den offenen Austausch von Argumenten zu erschweren.
Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abschaffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar.
Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.
Abstract
Die liberale Demokratie setzt Wissenschaftsfreiheit voraus. Sie ist ein eigenständiges, von der Meinungsfreiheit zu unterscheidendes Grundrecht auf epistemisch qualifizierten öffentlichen Vernunftgebrauch. Der Vortrag untersucht das Verhältnis von Wissenschaftsfreiheit und moralischer Verantwortung. Ausgangspunkt ist das Paradox moralischer Wissenschaftsfreiheit: Wenn moralische Erwägungen Teil wissenschaftlicher Begründungsstandards werden, werden epistemische Kriterien normativ umcodiert und der Erkenntnisprozess korrumpiert. Zugleich wird gezeigt, dass der Freiheitsbegriff zwei komplementäre normative Dimensionen umfasst: epistemische Gerechtigkeit als Teilhabe aller potenziell Erkennenden am wissenschaftlichen Diskurs und epistemische Offenheit als die Freiheit, ohne Furcht oder Gefälligkeit die Wahrheit zu sagen.
Foto: © FORUM
Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abschaffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar.
Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.
Abstract
Die liberale Demokratie setzt Wissenschaftsfreiheit voraus. Sie ist ein eigenständiges, von der Meinungsfreiheit zu unterscheidendes Grundrecht auf epistemisch qualifizierten öffentlichen Vernunftgebrauch. Der Vortrag untersucht das Verhältnis von Wissenschaftsfreiheit und moralischer Verantwortung. Ausgangspunkt ist das Paradox moralischer Wissenschaftsfreiheit: Wenn moralische Erwägungen Teil wissenschaftlicher Begründungsstandards werden, werden epistemische Kriterien normativ umcodiert und der Erkenntnisprozess korrumpiert. Zugleich wird gezeigt, dass der Freiheitsbegriff zwei komplementäre normative Dimensionen umfasst: epistemische Gerechtigkeit als Teilhabe aller potenziell Erkennenden am wissenschaftlichen Diskurs und epistemische Offenheit als die Freiheit, ohne Furcht oder Gefälligkeit die Wahrheit zu sagen.
Foto: © FORUM
Donnerstag, 25. Juni 2026
18:00 - 19:30
Colloquium Fundamentale: Schaden Moralisierungen der Redefreiheit?
Vortrag
Atrium im InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
Dr. Thomas Petersen, Institut für Demoskopie Allensbach
An gegenwärtigen öffentlichen Auseinandersetzungen wird immer wieder bemängelt, sie seien moralisiert. Kritisiert wird dabei, dass Diskussionen häufig weniger von der Suche nach differenzierten Argumenten geprägt seien als von dem Wunsch, sich moralisch korrekt zu positionieren. In Verruf sind Moralisierungen auch deshalb, weil sie als Mittel eingesetzt werden können, um andere Standpunkte zu diskreditieren und den offenen Austausch von Argumenten zu erschweren.
Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abschaffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar.
Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.
Abstract
Seit einigen Jahren wird in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert, inwieweit die Redefreiheit in Deutschland noch gesichert ist. Einer der Auslöser hierfür war ein Umfrageergebnis des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2021, wonach nur noch rund die Hälfte der Bevölkerung den Eindruck hat, man könne seine politische Meinung frei äußern. Gleichzeitig kann man immer wieder die Klage hören, es gebe eine zu starke Moralisierung in der öffentlichen Debatte. Der Vortrag wird erläutern, warum beides miteinander verknüpft ist. Er beschreibt auf der Grundlage der Repräsentativumfragen des Allensbacher Instituts, welche sozialpsychologischen Mechanismen den sozialen Druck erzeugen, der von vielen Bürgern beklagt wird. Er zeigt, welche Rolle dabei die Massenmedien spielen und warum ein gewisses Maß an sozialer Kontrolle der Preis ist, den man für eine freie Gesellschaft zahlen muss.
Foto: © FORUM
Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abschaffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar.
Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.
Abstract
Seit einigen Jahren wird in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert, inwieweit die Redefreiheit in Deutschland noch gesichert ist. Einer der Auslöser hierfür war ein Umfrageergebnis des Instituts für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2021, wonach nur noch rund die Hälfte der Bevölkerung den Eindruck hat, man könne seine politische Meinung frei äußern. Gleichzeitig kann man immer wieder die Klage hören, es gebe eine zu starke Moralisierung in der öffentlichen Debatte. Der Vortrag wird erläutern, warum beides miteinander verknüpft ist. Er beschreibt auf der Grundlage der Repräsentativumfragen des Allensbacher Instituts, welche sozialpsychologischen Mechanismen den sozialen Druck erzeugen, der von vielen Bürgern beklagt wird. Er zeigt, welche Rolle dabei die Massenmedien spielen und warum ein gewisses Maß an sozialer Kontrolle der Preis ist, den man für eine freie Gesellschaft zahlen muss.
Foto: © FORUM
Donnerstag, 02. Juli 2026
18:00 - 19:30
Colloquium Fundamentale: Podiumsdiskussion: Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit – über ein spannungsreiches Verhältnis
Vortrag
Atrium im InformatiKOM, Geb. 50.19, KIT Campus Süd, Adenauerring 12
Prof. Dr. Thomas Gutmann, Prof. Dr. Carsten Reinemann, Prof. Dr. Diana Rieger, Prof. Dr. Michael Schefczyk, Moderation: Prof. Dr. Senja Post
An gegenwärtigen öffentlichen Auseinandersetzungen wird immer wieder bemängelt, sie seien moralisiert. Kritisiert wird dabei, dass Diskussionen häufig weniger von der Suche nach differenzierten Argumenten geprägt seien als von dem Wunsch, sich moralisch korrekt zu positionieren. In Verruf sind Moralisierungen auch deshalb, weil sie als Mittel eingesetzt werden können, um andere Standpunkte zu diskreditieren und den offenen Austausch von Argumenten zu erschweren.
Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abschaffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar.
Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.
Abstract
Die Digitalisierung der öffentlichen Kommunikation und das Aufkommen sozialer Medien haben eine paradoxe Entwicklung begünstigt: Zum einen haben sie die Meinungsäußerungsfreiheit erhöht, weil es allen Personen heute möglich ist, sich öffentlich sichtbar in digitalen Debatten zu engagieren, Nachrichten zu kommentieren, eigene Inhalte zu erstellen und über ihre Netzwerke zu verbreiten. Dies bietet Chancen, dass vernachlässigte Perspektiven sichtbar oder dass öffentlich verbreitete Irrtümer korrigiert werden.
Andererseits gibt es Hinweise, dass lautstark engagierte Nutzerinnen und Nutzer mit extremen Ansichten, emotionalen und reißerischen Kommunikationsweisen digitale Debattenräume dominieren und Personen mit moderaten, differenzierten oder korrigierenden Aussagen aus dem Diskurs verdrängen. Die erhöhte Meinungsäußerungsfreiheit der einen könnte so zu einer Einschränkung der Redebereitschaft der anderen führen und negative Auswirkungen auf unsere Möglichkeiten zu einem rationalen, vielfältigen und wissensbasierten Argumentaustausch haben.
In dieser Podiumsdiskussion beschäftigen wir uns mit dem Zusammenhang zwischen Meinungsäußerungsfreiheit und unseren Möglichkeiten zu Erkenntnisfortschritt in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Dazu klären wir zunächst den Unterschied und die Gemeinsamkeiten zwischen Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit und erörtern dann, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit einen offenen, rationalen und wissensbasierten Austausch in demokratischen Gesellschaften fördern können.
Foto: © FORUM
Zugleich sind Moralisierungen ein wichtiger Motor gesellschaftlichen Fortschritts. Ohne die Anprangerung von Ungerechtigkeit, Diskriminierung oder Machtmissbrauch wären zentrale Fortschritte – etwa im Kampf um das Frauenwahlrecht, die Abschaffung der Rassentrennung in den USA oder die Sensibilisierung für Machtmissbrauch in Abhängigkeitsverhältnissen – kaum denkbar.
Das Colloquium Fundamentale widmet sich im Sommersemester 2026 den Chancen und Risiken von Moralisierungen in öffentlichen Auseinandersetzungen und findet im Rahmen des BMFTR-geförderten Projektes MoWiKo (Moralisierungen in der Wissenschaftskommunikation – Ursachen, Formen und Wirkungen) statt. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie moralische Bewertungen öffentliche Debatten, die Redefreiheit und die Wissenschaftsfreiheit beeinflussen und unter welchen Bedingungen sie zu produktiver Kritik an Missständen oder zu einer problematischen Verengung des Diskurses werden.
Abstract
Die Digitalisierung der öffentlichen Kommunikation und das Aufkommen sozialer Medien haben eine paradoxe Entwicklung begünstigt: Zum einen haben sie die Meinungsäußerungsfreiheit erhöht, weil es allen Personen heute möglich ist, sich öffentlich sichtbar in digitalen Debatten zu engagieren, Nachrichten zu kommentieren, eigene Inhalte zu erstellen und über ihre Netzwerke zu verbreiten. Dies bietet Chancen, dass vernachlässigte Perspektiven sichtbar oder dass öffentlich verbreitete Irrtümer korrigiert werden.
Andererseits gibt es Hinweise, dass lautstark engagierte Nutzerinnen und Nutzer mit extremen Ansichten, emotionalen und reißerischen Kommunikationsweisen digitale Debattenräume dominieren und Personen mit moderaten, differenzierten oder korrigierenden Aussagen aus dem Diskurs verdrängen. Die erhöhte Meinungsäußerungsfreiheit der einen könnte so zu einer Einschränkung der Redebereitschaft der anderen führen und negative Auswirkungen auf unsere Möglichkeiten zu einem rationalen, vielfältigen und wissensbasierten Argumentaustausch haben.
In dieser Podiumsdiskussion beschäftigen wir uns mit dem Zusammenhang zwischen Meinungsäußerungsfreiheit und unseren Möglichkeiten zu Erkenntnisfortschritt in gesellschaftlichen Auseinandersetzungen. Dazu klären wir zunächst den Unterschied und die Gemeinsamkeiten zwischen Meinungsfreiheit und Wissenschaftsfreiheit und erörtern dann, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit einen offenen, rationalen und wissensbasierten Austausch in demokratischen Gesellschaften fördern können.
Foto: © FORUM